Kalender 2023

Wir präsentieren heuer einen Kalender mit guten Nachrichten: Die Menschen auf der ganzen Welt kämpfen für ihre Rechte und gegen Ausbeutung. Das zeigt sich auch in der Art und Weise, wie sie ihr Land bewirtschaften oder wie sie die Natur regenerieren. Wir zeigen Modelle und Visionen von Menschen, die nachhaltig leben, mit der Natur arbeiten und ihre Kultur bewahren.

UNSER AUFTRAG UND UNSERE PHILOSOPHIE

Stärkung der Menschen und Verwirklichung ihrer Rechte

Januar bis März

INdigener Schutz

Da unser Planet weiterhin unter dem Klimawandel, den Waldbränden und anderen Umweltkatastrophen leidet, werden wir daran erinnert, dass es für uns wichtiger denn je ist, indigene Völker auf der ganzen Welt zu unterstützen. Wir wissen, dass dies eine schwierige Aufgabe ist – aber eine, die nicht unmöglich ist. Wir sind stolz darauf, diesmal auch unsere Projekte und Partnerschaften vorzustellen. Jede unserer Partnerorganisationen hat Fotos und Texte für diese Publikation beigesteuert.

Januar
BRASILIEN
„Man kann Gold nicht essen, aber Fische!“
Maria Leusa Munduruku

Mitten im Amazonasgebiet liegt die Stadt Itaituba, die in den letzten Jahren zu einem Anziehungspunkt für Goldsucher aus ganz Brasilien geworden ist. Sie ist aber auch die Heimat des indigenen Volkes der Munduruku, welche seit Jahrhunderten den Tapajós-Fluss nutzen und erhalten. Dort breitet sich der Goldabbau immer weiter auf die indigenen Gebiete aus, was zur Abholzung der Wälder und zur Vergiftung der Flüsse führt. Es kommt zunehmend zu gewalttätigen Übergriffen auf indigene Dörfer.

Februar
BRASILIEN
„Wir können uns nicht mehr vom Fluss ernähren,
aber trotzdem gibt er uns Kraft.
Auch wenn wir vergiftet werden, gehen wir nicht weg.‘‘
Traditionelle Fischerin Am Xingu-Fluss

Nach der Realisierung des Belo-Monte-Staudammprojekts droht nun durch das Bergbauprojekt Volta-Grande der endgültige Tod des brasilianischen Xingu-Flusses und der Gemeinden, die von ihm leben. Nadine Papai traf in Bern eine traditionelle Fischerin, deren Aussagen wir hier anonymisiert wiedergeben. Ihr Leben ist durch ihr Engagement für den Naturschutz und Menschenrechte vor Ort zunehmend bedroht.

März
KOLUMBIEN
„Indigener sein heißt nicht aus einem bestimmten Land oder von einem bestimmten Ort zu kommen, es ist eine Art zu denken. Es ist der Gedanke, dass wir die Erde hüten müssen.“
Juan Mamatacan, Ältester der Kogi

Seit der Ankunft von Kolumbus waren die Kogi gezwungen, sich hoch in die Berge zurückzuziehen, um nicht durch die spanische Eroberung und die kolumbianische Expansion vollständig ausgerottet zu werden. Hunderte von Jahren wusste die westliche Gesellschaft kaum etwas von ihrer Existenz. Von den ungefähr 500.000, die im 16. Jahrhundert gezählt wurden, gibt es heute nur noch 20.000 Kogi.

April bis Juni

Altes Wissen

Wir glauben, dass bedrohte Völker uns viel darüber lehren können, wie wir harmonisch mit der Erde, miteinander und mit unseren Gemeinschaften leben können – und doch glauben wir auch, dass es nicht den einen Weg gibt, ein „authentisches“ Leben als indigene Person zu führen.

April
NORDIRAK / KURDISTAN
„Permakultur ist ein kreativer Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie&Ressourcenverfügbarkeit reagiert.“
David Holmgren, Mitbegründer des Permakulturkonzepts

Seit 2016 ist Nadine Papai regelmäßig für Projektarbeiten im Nordirak unterwegs. Sie begann mit dem Aufbau einer Joghurtfabrik, die Tausende Menschen im Flüchtlingslager von Dawodia mit gesundem Joghurt versorgte. Mittlerweile hat sie gemeinsam mit dem Kurden Sulaiman Tameer ein Permakulturprojekt ins Leben gerufen, das der gesamten kurdischen Bevölkerung, aber auch Österreich zugutekommt.

MAI
NORDIRAK / KURDISTAN
„Der Bauer ist die Seele des Volkes!
Stirbt der Bauer, stirbt das Land!‘‘
Sepp Holzer, Österreichischer
Bergbauer und „Agrar-Rebell“

Globale Krisen in unseren Ökosystemen haben
Nachhaltigkeit, Gleichgewicht und Fairness in den Mittelpunkt gerückt. Permakultur befähigt die Menschen, an der notwendigen Transformation hin zu einer gerechteren Welt in ihrer eigenen lokalen Umgebung und darüber hinaus mitzuwirken.

JUNI
AUSTRALIEN
„Das Land braucht Feuer.“
Terrah Guymala, WardDeken Land Management Ranger

Feuer mit Feuer zu bekämpfen, ist kein neues Konzept. Das Feuermanagement wird von indigenen Völkern auf der ganzen Welt angewandt, hat aber wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Da sich das Klima erwärmt und Waldbrände immer extremer werden, fordern Forstexperten aus aller Welt eine Rückkehr zu traditionellen Praktiken.

Juli bis September

Neue BIldung

In unserem Kalender Lebenszeichen für das Jahr 2023 zeigen wir Ihnen Wege auf, wie indigene Völker in schwierigen Zeiten ihren Weg nach vorne finden. Wie sie ihr Land und ihre Kultur trotz Hindernissen schützen, wie sie mit anderen Gemeinschaften und Kulturen zusammenarbeiten.

Juli
AUSTRALIEN
„Jetzt unterrichten wir die Kinder, indem wir sie auf Ausflüge mitnehmen und ihnen die Lebensmittel des Busches, die Tiere und die Fische zeigen.‘‘
Rosemary Nabulwad, Warddeken Land Management Senior Ranger

Im Stone Country von West Arnhem Land, im abgelegenen nördlichen Territorium, haben zwei abgelegene Homelands ihren Traum von der Unabhängigkeit im Bildungswesen verwirklicht.

August
NEPAL
„Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“
Malala Yousafzai, Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin

Lama Ngawang, der die Great Compassion Boarding School im Jahr 2000 gründete, wollte ein Umfeld schaffen, in dem Kinder aus abgelegenen Dörfern eine Ausbildung erhalten konnten. Das kalte Winterwetter machte es schwierig, die Schüler zu unterrichten, also begann Lama Ngawang, ein Haus in Pokhara zu mieten. Im Jahr 2004 konnte er sein eigenes Schulgebäude ”Sedibagar“ eröffnen.

September
KIRGISTAN
„Vereint in Stärke. Vereint im Geist.“
Slogan der dritten Weltnomadenspiele

Die ”Weltnomadenspiele“ sind das größte
internationale Projekt der Kirgisischen Republik.
Es handelt sich um ein von der kirgisischen
Regierung 2012 initiiertes Projekt zur Wieder-
belebung und Bewahrung der Kultur der
nomadischen Zivilisation.

Oktober bis Dezember

Tradition & kunst

Wir  zeigen Beispiele dafür, wie bedrohte Völker erfolgreich in Harmonie mit ihrer Umwelt, ihrer Kultur und ihren Traditionen – und sogar mit der Moderne – leben können, ohne dabei zu verlieren, wer sie sind oder was sie einzigartig macht.

Oktober
LADAKH
„Je genauer die Nomadenkinder ihre eigene Kultur kennen und gleichzeitig auch über das moderne Leben informiert sind, desto besser können sie sich in beiden Welten zurechtfinden.“
Ulli Felber, Leiterin von Hilfe für Ladakh

2018 startete das Literatur- und Handwerksprojekt ”Nomadentum im West-Himalaya“: Zwei Nomadinnen unterrichten die Kinder im traditionellen Handwerk. Damit wird einerseits ein wertvoller Beitrag zum Erhalt dieses schwindenden Kulturguts geleistet, zum anderen erhalten die Kinder  auch einen Lehrabschluss. Mit viel Wissen, Erfahrung und Motivation betreut Gulzar Hussain kontinuierlich alle Arbeiten und leitet Workshops in der Nomadenschule. Er schafft ein Gleichgewicht zwischen Innovationen und Bewahrung der Traditionen.

November
LADAKH
„Wir sind Kette und Schuss.‘‘
Sprichwort aus Ladakh

Ladakh ist ein Unionsterritorium Indiens, eine kalte Wüste im Trans-Himalaya. Es ist die Heimat von Nomaden, die auf dem Changthang-Plateau im Osten Ladakhs leben. Die Changpa sind überwiegend Viehzüchter, die Yaks, Schafe und
Pashmina-Ziegen halten. In den letzten Jahrzehnten haben viele Nomaden die Region Changthang  verlassen. Der einzige Anreiz, in Changthang zu bleiben, ist die Pashmina-Wolle, die jedoch die lokale Wollproduktion in den Schatten gestellt hat. Eine Handvoll Künstler in Changthang bewahrt jedoch das handwerkliche und traditionelle Wissen über Wolle, das in dieser Region einzigartig ist.

Dezember
IRAN
„Wo dein Teppich ist, da ist dein Heim.“
Persisches Sprichwort

In einer fünfjährigen Untersuchung entdeckte Mehdi Aminian in den Provinzen Isfahan, Kerman, Yazd und Bakhtiari eine selten
gewordene Tradition. Genau wie andere Arten von Arbeitsliedern, die in traditionellen Gesellschaften auf der ganzen Welt gesungen werden, hat sich die Liedkultur rund um das Teppichweben entwickelt. „Naqshe Khani“ , der Mustergesang, besteht aus Rezitationen und Melodien, die den Webern als Anleitung für Muster dienen. Die Weberinnen sagen, dass das Mustersingen ihren Sinn für Zusammenarbeit und Interaktivität stärkt und ihre Effizienz während der langen Stunden des Webens erhöht.